Helm-Lektionen

Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass der Helm das enervierendste Teil des Motorrads ist. Quasi die Zylinderkopfdichtung der ganzen Schutzkleidung. Ihr erinnert euch vielleicht noch, dass ich meine billigen Probiker-Louis-Helm durch einen preislich reduzierten Schuberth C2 upgegradet hatte. Dieses Stück deutscher Wertarbeit macht eigentlich auch einen guten und stabilen Eindruck. Immerhin stellt Schuberth auch ernstzunehmende Helme für Leute her, die Brände löschen oder solche, die Deutschland am Hindukusch verteidgen. Rückwirkend gesehen bin ich aber schon relativ enttäuscht, wenn ich bedenke, dass der Kopfschutz einmal um die 500€ kosten sollte.

  1. Ein Pinlock-Visier konnte man nicht einfach nachrüsten. Ich musste für einen stolzen Betrag das ganze Visier austauschen. Das Pinlock-Visier ist auch noch suboptimal geformt, so dass ein Teil vom Sichtfeld verlorengeht. Immerhin beschlägt es nicht.
  2. Die Sonnenblende versifft nach kurzer Zeit. Alle 1-2 Wochen muss man es ausbauen (dauert ca. 20 Minuten und ein paar dutzend Flüche über die Fummelarbeit) und reinigen. Laut Anleitung soll man dabei nur vorsichtig die Außenseite abwischen. Das kann man vergessen. Der Umwelt-Siff wird von der Innenseite magisch angezogen und kann nur noch mit amtlichem Fensterreiniger entfernt werden, denn sonst wird nicht nur die Sonne sondern auch die Sicht auf die Straße vermindert.
  3. Heute ist mir dann beim Reinigungsmanöver der Sonnenblende eine der Halterungen abgebrochen. Mal sehen, ob Schuberth da auch nach Ende der Gewährleistungsfrist noch helfen möchte.

Was lernt man daraus für den Helmkauf:

  • Ein teurer Helm ist noch lange kein guter Helm. Ignoriert den Markennamen und probiert den Helm einfach selbst auf.
  • Alle Integralhelme erfüllen sowieso die ECE-22-Norm. Einen völlig unsicheren Helm wird man also im Laden nicht finden.
  • Ein Helm sollte lediglich gut passen ohne zu wackeln oder zu drücken, nicht klapprig erscheinen und die Windgeräusche ein wenig abschirmen. Im Zweifel lieber 100€ sparen und für 10€ Ohrstöpsel gegen den Wind-Tinnitus besorgen.
  • Ein Auslaufmodell ist gut genug – Rabatte um die 50% sind oft möglich. Was vor 1-2 Jahren state-of-the-art war, ist jetzt nicht plötzlich schlecht. Im Gegenteil: bei Online-Hökern findet man gerne mal Kommentare und Bewertungen, die einem Hinweise auf architektonische Mängel eines Helms geben.
  • Ein Pinlock-Visier (beschlagfreies Visier mit zwei Schichten) sollte gleich dabei sein. Also den Preis mit in die Gesamtkosten einrechnen.
  • Kein Visier nehmen, bei dem das Außenvisier oder eine Sonnenblende Anti-Irgendwas-beschichtet ist. Man muss das Visier irgendwann reinigen und die Schicht ist dann entweder einfach nur weggeputzt oder das Visier versifft. Vergesst bitte die Werbesprüche über „Anti-Fog-Beschichtungen“ – das Zeug macht zwar lustige Batik-Muster beim Reinigen, ist aber im harten Straßeneinsatz so hilfreich wie Rosenquarze bei Impotenz.
  • Eine eingebaute Sonnenblende, die man auch während der Fahrt und mit Handschuhen herunterklappen kann, sollte der Helm haben.

Und ein Fazit-Update nach zwei weiteren Jahren Schuberth-Benutzung:

  • Obwohl ich immer ordentlich mit dem Helm umgegangen bin, schließt die Mechanik nicht richtig. Zwei Stifte im Sichtbereich sollen anzeigen, dass der Helm ordentlich arretiert ist. Aber egal, wie man den Helm schließt – die Stifte klemmen. Das hinterlässt kein gutes Gefühl.
  • Die Sonnenblende ist regelmäßig komplett versifft. Irgendwie schmiert sie beim Einklappen voll und danach muss man sie mit Fensterreiniger wieder zur Durchsicht zwingen.
  • Die Sonnenblende ist auf der linken Seite beim Ausklappen abgebrochen. Ich habe sie notdürftig mit einem kleinen Draht wieder fixiert, aber das ist schon enttäuschend.
  • Das Innenfutter habe ich endlich einmal per Handwäsche gereinigt. Das Ergebnis? Es besteht aus zwei Schichten Stoff, die sich mühelos voneinander gelöst haben. Da war Textilkleber nötig. Außerdem fallen die Klett-Noppen im Helm ständig ab – der Kleber hält wohl nicht ewig.

Ich könnte den Helm jetzt zu Schuberth zur Generalüberholung schicken. Aber ich tendiere dazu, mir lieber die Angebote im Sommerschlussverkauf anzusehen.

1 Kommentar zu „Helm-Lektionen“

  1. Hi, wie recht Du hast. Auch ich habe, als ich 2006 wieder einstieg, einen Mittelklasse bzw. obere Unterklasse-Helm gewählt ( Shark). Zum Glück hielt mich der Verkäufer bei Tante Luise von noch schlimmeren Entscheidungen ab!!! „Für ne 50er wird es reichen“. Ich hätte mich sicher auch nicht anders entschieden wenn es für eine 1300er gewesen wäre! So ist man eben. Mopped für 10, 11tausend Mücken und am Rest muss gespart werden. Ging ja auch ganz gut, so mit 60 kmh. Dann kam 2008 meine GSX 600F. Tinitusarlaaaaarm!!!! Das Visierproblem kannte ich ja zum Glück schon 🙂 bloß bei höherer Geschwindigkeit wirkte sich das etwas anders aus. Also neuer Helm muss her. Beim Polo bin ich fündig geworden. Superjunger Verkäufer aber mal richtig Ahnung. Nimm den HJC HmHmHm (Mist weis ich grad nich aus dem Kopf) und du wirst zum Ohrenarzt gehen weil du dich für taub hältst. Vorher wäre ich aber fast blind geworden, bei dem Preis der auf der Digitalanzeige der Kasse stand. 340,- Öcken. Ups. Wir reden hier vom ersten Eindruck. Heute sage ich „der Helm ist jeden Cent wert“ und jedes mal wen ich beim Polo den Verkäufer treffe bedanke ich mich hübsch das er mir keinen Schotter vertickt hat. Was auch noch sehr wichtig ist, normale Helme auf Polycarbonatbasis sollten nach spätestens 4-6 Jahren ersetzt werden. Moderne und natürlich teurere Helme sind aus Kevlar oder Carbon und halten von ihren schützenden Eigenschaften wesentlich länger.

    Ich wünsche allen eine geile und unfallfreie Saison. Kanns kaum erwarten. Das Schätzchen steht geputzt und durchgesehen in der Garage bereit. Nur Klärchen fehlt noch 🙂

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